Bio Test Agro steigt aus der Knospe-Kontrolle aus

 

Knospe-zertifizierte Betriebe können sich ab nächstem Jahr nur noch von der bio.inspecta AG kontrollieren lassen. Die Bio Test Agro, welche die Kontrolle, nicht aber die Zertifizierung machen durfte, wird in Zukunft keine Bio Suisse – Betriebe mehr kontrollieren.

 

An der Bio Suisse Delegiertenversammlung im Frühling 2005 wurde beschlossen, die Zertifizierung der Knospe-Betriebe nicht für andere Anbieter auf dem Markt zu öffnen. Somit musste die Bio Test Agro (BTA) die von ihr kontrollierten Betriebe bei der Konkurrenz-Organisation bio.inspecta kontrollieren lassen. Eine Mehrheit der Delegierten sprach sich damals mit 48 zu 42 Stimmen für eine Öffnung der Zertifizierung aus. Es brauchte allerdings eine Zweidrittel-Mehrheit, da es um eine Statuten-Änderung ging. 

 

Ausstieg der Bio Test Agro

Am letzten Montag teilte die Bio Test Agro in einer Information an die Mitgliedorganisationen der Bio Suisse mit, dass sie sich komplett aus der Kontrolle der Bio Suisse-Betriebe zurückzieht. Die Bio Test Agro erhebt dabei Vorwürfe an die bio.inspecta, welche die Dossiers der BTA nachteilig behandelt haben soll, was von der bio.inspecta zurückgewiesen wird.

Diesen Frühling liefen Verhandlungen zur einer möglichen „Unterauftragszertifizierung“, bei welcher die Bio Test Agro die einfachen Fälle selber hätte zertifizieren sollen. Aus der Sicht der BTA scheiterten die Verhandlungen an den zu hohen Forderungen der bio.inspecta und dem fehlenden Entgegenkommen des Vorstandes der Bio Suisse. Die Bio Test Agro entschied sich darauf, aus der Kontrolle der Knospe-Betriebe per Ende 2006 auszusteigen. Betroffen sind rund 1100 Bio Suisse-zertifizierte Betriebe, welche von der BTA kontrolliert werden.

 

Reaktion der Bio Suisse

Gemäss Angaben von Markus Arbenz, Geschäftsführer der Bio Suisse akzeptiert der Vorstand der Bio Suisse den Beschluss der DV 2005 weiterhin und will nun eine Vorwärtsstrategie einschlagen und den Einfluss der Delegierten auf die Kontrolle und Zertifizierung eher stärken, anstatt vermehrt zu liberalisieren. Der freie Wettbewerb bei Kontrolle und Zertifizierung würde die Gefahr der Gefälligkeitsgutachten noch vergrössern und die bestehenden Probleme verschärfen. Die vermehrte Verantwortung über die Kontrolle und Zertifizierung soll über einen höheren Aktienanteil bei der bio.inspecta erreicht werden. Die Bio Suisse habe der BTA zugesichtert, dass damit in der Kontrolle gleich lange Spiesse angewendet werden. Leider hätte die BTA kein Vertrauen in diese Lösung gegeben und die Verhandlungen abgebrochen.

Die BTA-Kunden werden noch im August einen Brief mit einer Offerte der bio.inspecta erhalten.

 

Martin Pfister

Strickhof

Fachstelle Biolandbau